AKTION SEMESTERZEITEN                                                                                          Beginn der Aktion: 12. Oktober 2008

 

Aufruf gegen die Verschiebung

der Semesterzeiten in

Deutschland

 
 

Offener Brief an die HRK


17.
Februar 2009

 

Aus der Pressemitteilung der HRK Hochschulrektorenkonferenz vom 28.1.2009
 

HRK-Mitgliederversammlung: Vorverlegung der Semesterzeiten nach wie vor nötig


Eine mögliche Umstellung der Semesterzeiten war erneut Thema der Mitglieder-versammlung der Hochschulrektorenkonferenz (HRK). HRK-Präsidentin Prof. Dr. Margret Wintermantel heute vor der Presse in Berlin:„Die Studierenden wollen im Ausland studieren können, ohne zwangsläufig ein Semester zu verlieren. Darum hält die HRK die Anpassung der Vorlesungszeiten an internationale Gepflogenheiten für notwendig. Auch ausländische Studierende sollten ohne Zeitverlust bei uns studieren können.“

 
Der Hochschulausschuss der Kultusministerkonferenz hat der HRK vor wenigen Tagen seine Bedenken gegen die von HRK und KMK gemeinsam entwickelten Vorschläge zur Umsetzung der Reform mitgeteilt.


Diese Kehrtwende stieß bei der Mitgliederversammlung auf Unverständnis „Wir werden deshalb mit der Kultusministerkonferenz weiterverhandeln“, sagte Wintermantel. „Wir suchen auch das Gespräch mit den Fachgesellschaften und mit den Kritikern aus der Professorenschaft. Wir nehmen die Probleme ernst, halten sie aber für überwindbar.
 

Wir sehen, dass die Kräfte der Hochschulen derzeit weit über das Vertretbare hinaus angespannt sind und deshalb auf die zentral wichtigen Themen konzentriert werden müssen. Deshalb wollen wir uns Zeit lassen und nichts über’s Knie brechen. Wir halten das Ziel aber für richtig und geben es nicht auf.“
 


 

12. Februar 2009

 

Sehr geehrter Herr Kollege Koschorke,

bitte sehen Sie mir nach, dass ich Ihnen bisher nicht geantwortet habe. Tatsächlich sind wir in der HRK dabei uns nochmals mit den Argumenten der Befürworter und der Gegner der Verschiebung der Semesterzeiten auseinanderzusetzen und haben in der letzten
Mitgliederversammlung Ende Januar eine erneute Aussprache hierzu gehabt. Ich werde Ihnen demnächst den entsprechenden Protokollauszug zukommen lassen. Wir meinen dass eine Harmonisierung der Semesterzeiten in Europa wirklich geboten ist, damit Auslandssemester ohne Zeitverlust möglich sind. Wir suchen also weiter nach einer
Lösung.

Mit freundlichen Grüßen
Ihre
Margret Wintermantel

 


 

 

12. Februar 2009

 

Sehr geehrte Frau Präsidentin,
sehr geehrte Frau Kollegin Wintermantel,

darf ich Sie nochmals an das Schreiben zur Aktion gegen die Verschiebung der Semesterzeiten in Deutschland erinnern, das ich Ihnen vor nunmehr drei Monaten geschickt habe und das bisher unbeantwortet geblieben ist?

Es ist eigentümlich, zwar von einigen Ministerien über den Stand der Diskussion der HRK-Initiative unterrichtet zu werden, nicht aber von der Hochschulrektorenkonferenz selbst, die sich doch als Fürsprecherin der Universitäten und damit auch der Hochschulangehörigen versteht.

Mit freundlichen Grüßen, Albrecht Koschorke

 



 

 

10. Dezember 2008
 

Sehr geehrte Frau Präsidentin,
sehr geehrte Frau Kollegin Wintermantel,

darf ich Sie freundlich an mein Schreiben vom 12. November erinnern, in dem ich Sie über die Aktion gegen die Verschiebung der Semesterzeiten in Deutschland unterrichtet habe?

Ich denke, die inzwischen über 2.000 Unterzeichner des Aufrufs (aufgelistet unter www.aktion-semesterzeiten.de) haben ein berechtigtes Interesse daran, zu erfahren, wie sich die Hochschulrektorenkonferenz zu ihrem Votum verhält.

Mit den besten Grüßen

Albrecht Koschorke

 


 

12. November 2008

Sehr geehrte Frau Kollegin Wintermantel,

seit dem 12. Oktober 2008 zirkuliert im Internet ein Aufruf, der sich gegen die Pläne der Hochschulrektorenkonferenz richtet, die Semesterzeiten in Deutschland dem europäischen Ausland anzupassen.

Dieser Aufruf, der vor allem privat weiterverbreitet wurde, stößt auf eine überwältigende Resonanz. Innerhalb eines Monats haben sich ihm über 1800 Unterzeichner angeschlossen, darunter etwa 1200 Professorinnen und Professoren aus Deutschland. Auch aus dem Ausland gibt es breite Unterstützung – unter anderem aus der Schweiz, aus Österreich, England, Frankreich, Italien, Indien, Japan, Brasilien und den USA (Harvard, Princeton, Yale, Berkeley, Chicago u.a.). Als Initiator dieser Aktion haben mich zahllose Zuschriften erreicht; keine einzige davon nimmt Stellung zugunsten der Pläne der HRK.

Der Text des Aufrufs liegt diesem Brief bei. Er ist mitsamt den bisher eingegangenen Unterschriften, Kommentaren der Unterzeichner sowie einer Dokumentation von Presseberichten und anderen Reaktionen auf der Website www.aktion-semesterzeiten.de einsehbar. Mehrere Fachverbände haben sich dem Aufruf angeschlossen oder unabhängig davon ihren Protest gegen die geplante Semesterreform geäußert.

Ich will die vorgebrachten Argumente nicht wiederholen, möchte aber vorsorglich zwei möglichen Missverständnissen entgegenwirken.

Erstens scheint es mir wichtig zu betonen, dass es hier nicht etwa um eine Blockade notwendiger Reformmaßnahmen durch strukturkonservative Hochschullehrer geht. Viele der Unterzeichner sind aktiv an grenzüberschreitenden Forschungs- und Lehrprogrammen beteiligt und erfüllen damit genau jenen Imperativ der Internationalisierung, den auch die HRK in ihren Beschlüssen geltend macht. Sie fürchten, dass die durch ihr Engagement geknüpften wissenschaftlichen Kooperationen beträchtlichen Schaden erleiden, wenn die deutschen Semesterzeiten umgestellt werden.

Zweitens kann nicht die Rede davon sein, dass es hier um einen Interessenkonflikt zwischen Hochschullehrern einerseits und den Studierenden in ihrer Gesamtheit andererseits gehe. Auch Studierende profitieren von den zahlreichen transnationalen Forschungs- und Lehrkooperationen, die durch die geplante Semesterreform bedroht sind. Zudem gibt es eine Reihe von weiteren Gründen dafür, dass eine Vorverlegung des Semesters sowohl Studierenden als auch Schulabgängern Nachteile bereitet.

Die Hochschulrektorenkonferenz wirbt damit, die Stimme der Hochschulen gegenüber Politik und Öffentlichkeit zu sein, und will ein Forum für den gemeinsamen Meinungsbildungsprozess der Hochschulen bieten. Das einhellige Votum von Forschern im In- und Ausland wird und kann Ihnen deshalb nicht gleichgültig sein.

Ich darf wohl im Namen der Unterzeichner des Aufrufs sprechen, wenn ich eindringlich an Sie appelliere, von Ihrem bisherigen Beschluss Abstand zu nehmen und Ihre Planungen zur Verschiebung der Semesterzeiten aufzugeben.

Dieser Brief wird nach einer entsprechenden Frist als Offener Brief auf der genannten Website publiziert werden. Ich würde mich freuen, dort auch Ihre Antwort veröffentlichen zu dürfen.

Mit freundlichen Grüßen


Prof. Albrecht Koschorke
 


 

www.aktion-semesterzeiten.de

 

Verantwortlicher Initiator des Aufrufs:

Prof. Dr. Albrecht Koschorke

Albrecht.Koschorke[at]uni-konstanz.de

 

Fachbereich Literaturwissenschaft

Universität Konstanz

78457 Konstanz

 

Kontakt:

Nina Kück, M.A.

Nina.Kueck[at]uni-konstanz.de

 

Gestaltung:

Eddy Decembrino