AKTION SEMESTERZEITEN                                                                                          Beginn der Aktion: 12. Oktober 2008

 

Aufruf gegen die Verschiebung

der Semesterzeiten in

Deutschland

 
 

KOMMENTARE        

 

13.10.2008                                                                                                  

 

Vielen Dank für Ihre Initiative. Darf ich Ihnen auch mitteilen, daß sowohl der dt. Romanistenverband wie der dt. Anglistenverband Proteste gegen die Einführung mit Mehrheit beschlossen haben.


Prof. Dr.  Monika Fludernik, Universität Freiburg

 


 

14.10.2008

 

Herzlichen Dank für die Initiative!!
 

Prof. Dr. Georg Braungart, Universität Tübingen

 


 

14.10.2008

 

(...)
hinzu kommt, daß sich durch eine solche Maßnahme die vorlesungsfreie Zeit wohl insgesamt um ca. vier Wochen verkürzen würde (mindestens aber um die Weihnachtsferien, die dann wohl in die Semesterferien fielen). Es handelt sich also auch um einen Trick zur erneuten Verkürzung der Forschungszeit bzw., wenn man so will, um eine verschleierte neue Erhöhung der Lehrverpflichtung.

Prof. Dr. Helmut Pfotenhauer, Universität Würzburg

 


 

15.10.2008

 

Ich unterstütze die Initiative. Als Lateinamerikanist würde eine Verschiebung meine Forschungsmöglichkeiten stark beschränken, da in den dann geltenden Semesterferien in LA
kaum wissenschaftliche Kontakte zu pflegen sind. Die jetzige Regelung ist für die Teilnahme an Kongressen, die üblicherweise im März und September stattfinden optimal.
 

Prof. Dr. Rolf Kailuweit, Universität Freiburg

 


 

15.10.2008

 

(…)

So oder so, eine Schnappsidee. Wir haben (mit dem gleichen Hauruckverfahren) die ganze Übung hinter uns gebracht und ich stelle nur fest, dass das Herbstsemester unendlich lang und ohne eine einzige Atempause ist. Die Koordination mit Deutschland ist für mich noch schwieriger geworden (wäre bei einem Nachziehen Deutschlands also wieder besser)...
 

Prof. Dr. David Gugerli, ETH Zürich

 


 

15.10.2008

 

Auch ich bin gegen die Vorverlegung der Semesterzeiten, die zu einer erheblichen Einschränkung der wissenschaftlichen Kontakte / DozentInnenmobilität im hispanophonen Raum führen würden.
 

Prof. Dr. Janett Reinstädler
 


 

15.10.2008

 

(...)

ich habe den Aufruf weit verbreitet. Von einem Kollegen aus den Niederlanden habe ich folgende Antwort bekommen, die Sie vielleicht zu den Kommentaren auf die Homepage setzen wollen:

"Da wir in den Niederlanden immer schon am 1. September mit dem WS beginnen: Willkommen im Club! Da ich nicht in Deutschland lehre, macht es wenig Sinn, wenn ich den Aufruf unterzeichne. Inhaltlich stimme ich ihm aber zu. Ich mache extrem negative Erfahrungen mit dem frühen Semesterbeginn: zum einen wird es schwer, im September, einem traditionellen Konferenz-Monat, Tagungen etc. zu besuchen. Zum anderen fehlt ein Monat ohne Verpflichtungen, in dem man in Ruhe forscht, liest,
schreibt...."

 

Prof. Dr. Th. Bremer

 


 

15.10.2008

 

[ein] Aufruf, den ich nur lebhaft unterstützen und Ihnen ans Herz legen kann

Prof. Dr. Michael Moxter, Universität Hamburg

 


 

15.10.2008

 

Zur Information: Die Deutsche Gesellschaft für Philosophie hat auf ihrer Mitgliederversammlung Ende September mehrheitlich gegen die Veränderung der Semesterregelung gestimmt.

Prof. Dr. Barbara Merker
 



15.10.2008

 

Eine ganz vorzügliche Aktion ! Unsere Sommerschulen in Osteuropa finden in aller Regel im September statt - das wäre künftig nicht mehr möglich. Abgesehen davon brauche ich den September zum Bearbeiten und Begutachten von einem halben Dutzend Dissertationen - offensichtlich ist die HRK von der Fronlinie der Überlastfächer schon so weit weg, dass sie auf solche "Kleinigkeiten" schon lange nicht mehr achten zu müssen glaubt...
 

Prof. Dr. Dr.h.c.mult. Reinhard Meyers, Universität Münster
 



15.10.2008

 

[...]
In der Tat würde die Verschiebung der Semesterzeiten die internationale Zusammenarbeit
zwischen indischen und deutschen Universitäten erschweren. Der Austausch zwischen unseren
Universitäten konnte bis jetzt gut funktionieren weil der akademische
Kalender in Deutschland gegenüber Indien zeitversetzt ist. Ihr Aufruf betont mit
recht, dass die Änderung zu einer Verminderung der Mobilität führen wird. Dies könnte
negative Folgen für die Internationalisierung haben.
Ich hoffe, dass der Aufruf zu einer kritischen Überprüfung der Pläne  führen wird.
[...]

 

Prof. Dr. Anil Bhatti, Jawaharlal Nehru University, New Delhi, Indien

 


 

16.10.2008

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
herzlichen Dank für diesen notwendigen Protest gegen diesen Unfug!
 

Prof. Dr. Peter Scholz, Historisches Institut der Universität Stuttgart

 


 

16.10.2008

 

zu Ihrem Aufruf nur zweierlei: erstens, meine volle Zustimmung und Solidarität; zweitens, als armer Trost, die Mitteilung, dass auch in Italien die Tendenz in solche Richtung geht: z. Z. in Turin fängt das WS Ende September an, endet vor Weihnachten; das SS von Mitte Februar bis Ende Mai (als ich Student war, hatten wir eine kontinuierliche, mit reichlichen Unterbrechungen, Vorlesungszeit von Mitte November bis Anfang Mai...).
 

Pier Paolo Portinaro

 


 

18.10.2008

 

(...)

gern möchte ich Ihre Kritik an den neuen Semesterzeiten unterstützen und dieser als Professorin und Mutter ein weiteres Argument hinzufügen. Eine Vereinheitlichung der Semesterzeiten sollte unbedingt auch zur Folge haben, dass die Schulferien (wie in den uns umgebenden europäischen Ländern)
angepasst werden. Für meinen konkreten Fall würde die Verschiebung bedeuten, dass ich kaum mit meiner Familie zusammen Urlaub machen könnte. Andernfalls wäre es natürlich auch denkbar, die Vorgabe aufzuheben, dass der Jahresurlaub ausschließlich während der vorlesungsfreien Zeit genommen werden darf. Die Anpassung der Schulferien würde natürlich auch implizieren,
dass alle Bundesländer zum gleichen Zeitpunkt in die Ferien starten, eine Situation, die auch andere Länder gut geregelt haben. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie dieses Argument berücksichtigen
könnten, da es ohnehin innerhalb der an Universitäten Beschäftigten mittlerweile selten geworden ist, dass Familien gegründet werden. Man sollte dies durch die geplante Regelung nicht noch weiter erschweren.
 

Prof. Dr. Natascha Müller
Bergische Universität Wuppertal

 


 

18.10.2008

 

Besten Dank für die Initiative.
 

Prof. Dr. Marcus Llanque

 


 

18.10.2008

 

Ich bedanke mich für diese überfällige Initiative
 

Prof. Dr. Andreas Gipper
 


 

18.10.2008

 

(...)

ich danke Ihnen für Ihre Initiative zum Widerstand gegen die Verschiebung der Semesterzeiten und unterstütze vollständig Ihre Argumentation.
 

Tobias Kraft M.A.
Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Institut für Romanistik, Universität Potsdam

 


 

18.10.2008

 

Vielen Dank für diese Aktion!
Ein weiteres, gewichtiges Argument, das gegen die Verschiebung der Semesterzeiten spricht, liegt darin, dass die (Block-)Praktika, die für die meisten Lehramtsstudiengänge vorgesehen sind, nicht mehr geleistet werden könnten.


Ich wünsche der Aktion viel Erfolg!
Prof. Dr. Matthias Klinghardt, TU Dresden

 


 

18.10.2008

(...)
ich unterstütze und unterzeichne den Aufruf und die Initiative gegen eine Verschiebung der Semesterzeiten.
Ich würde bei Punkt 1) noch deutlicher werden. Eine "schleichende
Entwertung" des Abiturs ist zu sanft formuliert.
(...)


Prof. Dr. Reinhold Zwick
Kath.-Theologische Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

 


 

18.10.2008

 

[Argumente zur geplanten Änderung der Semester- und Vorlesungszeiten aus dem Schreiben für die Math.-Nat.-Fakultät vom 11. Juni 2008 von Prof. Dr. Wilderich Tuschmann,

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel]



Sehr geehrte Damen und Herren,

gegen die von der deutschen Hochschulrektorenkonferenz (HRK) geplante Änderung der

Semesterzeiten in ein Frühjahrs- und Herbstsemester mit Vorlesungszeiten vom ersten
Märzmontag bis Ende Juni bzw. ersten Septembermontag bis 23. Dezember, ggf. aber
auch bis Mitte Januar(!), hat es bereits vielfältige fundierte Einwände gegeben (vergleiche hierzu insbesondere die Resolution der Konferenz der Mathematischen Fachbereiche
vom 5. Mai 2007, http://www.math.uni-bielefeld.de/KMathF/plenum/res07.html, sowie
den Artikel von Winfried Müller in "Forschung und Lehre" 5/08, 314-315).
Aus aktuellem Anlass stelle ich auf allgemeinen Wunsch für Sie hier die mir bekannten wichtigsten Argumente gegen die Änderung der Semesterzeiten zusammen; warum
die HRK die Zeiten Ändern zu müssen glaubt, erfahren Sie von Frau Wintermantel in
"Forschung und Lehre" 3/08, 164-166.

| Gerade weil die Vorlesungszeiträume im deutschen bzw. europäischen bzw. anglo-
amerikanischen System teilweise sehr verschieden sind, ist es möglich, Wissenschaftler
aus dem Ausland für Gastprofessuren und Vorträge zu gewinnen, die das Lehrangebot
bereichern, ohne sich dafür extra beurlauben lassen zu müssen. Hätten alle dieselben
Vorlesungszeiten, so käme es zu solchen Besuchen und Forschungsaufenthalten wohl nur
noch in vorlesungsfreien Zeiten. Aber wer spricht schon in verwaisten Hörsälen und
Seminarräumen?

| Konferenz- und Forschungsbesuche entfielen bei Verwirklichung der HRK-Pläne im
Sommer nunmehr auf die Monate Juli und August. Deutsche Schüler machen in der
Regel frühestens im Juni ihr Abitur und Anfang September begänne für sie das Herbstsemester.

Wann und von wem sollen dann aber eigentlich die notwendigen Auswahl-
und Zulassungsverfahren oder Vorkurse durchgeführt werden, von Nachprüfungen und
Nachklausuren für bereits Immatrikulierte einmal ganz abgesehen?
Was ist mit vor Studienbeginn zu absolvierenden Pflichtpraktika? Und wann haben
Lehramtsstudierende dann noch Zeit für Schulpraktika?

| Wie sieht es aus, wenn man als Student oder Hochschulangehöriger die Monate Juli
und August nicht vollständig zur Prüfungsvorbereitung oder für Praktika bzw. für Zulassungsmodalitäten, Forschung oder andere Aufgaben des Hochschulpersonals nutzen will
bzw. nutzen kann, weil Familie vorhanden ist und Kindergärten und Schulen teilweise
geschlossen sind?
Während die einzelnen Bundesländer versuchen, ihre Schulsommerferien auf einen immer
grösseren Gesamtzeitraum von mittlerweile bis zu 90 Tagen zu verteilen, pferchen die
HRK-Pläne die Sommerurlaubsplanung von Hochschulpersonal wie Studierenden mit
oder ohne Familie in die (obendrein teuersten) Juli- und Augustwochen, und Urlaube in
den Oster- wie auch Herbstferien werden hingegen künftig vollständig unmöglich sein.
Kinder müssen während dieser Ferienzeiten dann stattdessen zusätzlich betreut werden,
und speziell für Studierende mit Kindern ist diese Problematik schon rein finanziell nicht
zu unterschätzen. (Im Januar und Februar ist hingegen Übrigens immer Schule...)
Mit ihrer weit grösseren Berücksichtigung von allgemeinen Ferienzeiten sind die bisherigen Semesterzeiten und dies nicht nur unter dem Aspekt der sonst so vielfach
beschworenen Familienfreundlichkeit damit auch in toto "menschenfreundlicher".


| Laut HRK ist eine Verlängerung der Vorlesungszeiten keinesfalls beabsichtigt. Ist es
aber den durch die Erfordernisse der neuen Bachelor- und Master-Studiengänge ohnehin
an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit befindlichen Studierenden wirklich zuzumuten,
ihre Herbstsemester-Abschlussprüfungen ausgerechnet im Trubel der (schon so von vielen
als "stressig" empfundenen) Vorweihnachtszeit absolvieren zu müssen, wo das Herbst-
semester doch auch erst Mitte Januar enden kann? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt...
 

Prof. Dr. Wilderich Tuschmann, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

 


PS:
Leider wurden meines Wissens alle diese Argumente von der HRK nicht aufgegrif-
fen, sondern stattdessen unter Einsatz der beliebten rhetorischen Keulen der fraglos(?)
"unabdingbaren Notwendigkeit" der "Steigerung der internationalen Wettbewerbsfähig-
keit des deutschen Hochschulsystems" und der "Europäisierung der deutschen Studien-
angebote" einfach stets vom Tisch gefegt.

 


 

19.10.2008

 

Es gibt in dieser Angelegenheit noch eine weitere Schwierigkeit, die ich in die Diskussion bringen möchte. Elternteile, die in einem Bundesland arbeiten, das nicht dasjenige ist, in dem die Kinder zur Schule gehen, können dann ab 2011 keine gemeinsamen Herbst oder Osterferien verbringen. Einmal hat es ja bisher terminlich gepasst pro Jahr. Und für die Sommerferien gab es eine immer kleine Zeit-Überschneidung für beide Seiten.
Ein schwacher Trost, dass da jetzt 6 Wochen parallel liegen. Wer kann sich länger als zwei Wochen aus dem universitären Arbeitsprozess vollständig in den Urlaub zurückziehen? Bei mir ist das unmöglich. Aus meiner persönlichen Sicht ein weiterer Aspekt, der die Arbeit an Universitäten für Eltern noch weniger attraktiv macht.
Vielleicht sollte man auch dieses Problem zusätzlich berücksichtigen.

OStR' Dr. Sylvia Thiele
Didaktik der Romanischen Sprachen, Universität Münster

 


 

20.10.2008

 

(...)

Ich unterstütze diesen Aufruf, zumal ich als Archäologe dann keine
Feldforschung mehr treiben könnte, dazu ist die verbleibende Zeit zu knapp.

Prof. Dr. Reinhard Dittmann
Institut für Altorientalische Philologie und Vorderasiatische Altertumskunde
Westfälische Wilhelms-Universität

 


 

20.10.2008

 

(...)  und appelliere an die Hochschulrektorenkonferenz und an die Verantwortlichen in den Ländern und Universitäten, die Pläne zur Angleichung der deutschen Semesterzeiten
nicht weiter zu verfolgen.

Dr. Marie-Hélène Rybicki
Lehrkraft für besondere Aufgabe (Lektorin für Französisch)
Universität Potsdam

 


 

20.10.2008

 

Ich unterstütze den Appel gegen die Verschiebung der Semesterzeiten an
deutschen Universitäten energisch!!!

Prof. Dr. Gabriele Beck-Busse
Institut für Romanische Philologie
Philipps-Universität Marburg

 


 

23.10.2009


(...)
Vielen Dank für diese wichtige und hoffentlich fruchtende Initiative. Die Liste der dagegen sprechenden Argumente lässt sich um einen weiteren wichtigen Punkt erweitern. Derzeit beginnt das Semester an zahlreichen privaten Hochschulen sowie öffentlichen Fachhochschulen ca. einen Monat
vor dem Semester öffentlicher Universitäten (z.B. Anfang/Mitte September statt Anfang/Mitte Oktober). Dank dieser zeitlichen Verschiebung können die Studenten, deren Zahl nach dem Willen der Politik ja weiter steigen soll, entsprechend zeitversetzt in der vorlesungsfreien Zeit Praktika
absolvieren. (In meinem Fachbereich Steuerberatung und insb. Wirtschaftsprüfung sind die WP-Gesellschaften sehr dankbar, sowohl im Februar Praktikanten zu bekommen als auch im März.) Eine Vereinheitlichung der Semesterzeiten würde dazu führen, dass Unternehmen in dem engeren
Zeitfenster weniger Praktikumsplätze anbieten könnten und dieses Minderangebot von Plätzen auf eine geballte Nachfrage sämtlicher Studenten träfe. Eine vermeintliche Verbesserung der internationalen Beweglichkeit einiger weniger ginge dann auf Kosten erheblich verschlechterter
Möglichkeiten zur Erlangung von Praxiserfahrung für alle Studenten. Es stellt sich schon die Frage, wieso diese gravierend negative Folge einer Vereinheitlichung der Semesterzeiten nicht bereits im Vorfeld von der HRK erkannt wird, insbesondere vor dem Hintergrund einer stets propagierten
Praxisorientierung des Bachelors. Aber vielleicht ist die Vereinheitlichung insoweit ja auch als Teil der sog. Elitenförderung konzipiert, da sich bei einem verknappten Angebot an Praktikumsplätzen nur
die besten Studenten durchsetzen werden.
(...)

Prof. Dr. Andreas Dinkelbach, StB
Fachbereich Betriebswirtschaftliche Steuerlehre
und Rechnungslegung an der
Hochschule Fresenius in Köln

 


 

23.10.2008


(...)
vielen Dank für diese so richtige und nötige Initiative gegen die Verschiebung der Semesterzeiten! Ein wichtiges Zusatzargument könnte man Ihrem Brief noch hinzufügen: Es handelt sich ja nicht nur um eine Verschiebung der Semesterzeiten, sondern um eine Kürzung der vorlesungsfreien Zeit um einen ganzen Monat. Es geht also ganz massiv um die Vernichtung von Forschungszeit, und dies sowohl auf Seiten der Studierenden, die dann noch weniger Zeit zum selbständigen Arbeiten haben werden (ganz in der unguten Verschulungslinie von BaMa), als auch für die Lehrenden. Im Grunde ist diese Verschiebung ein weiterer Angriff auf die Einheit von Forschung und Lehre; sie ist forschungspolitisch gänzlich kontraproduktiv; die Begründung, mit der sie eingeführt wird (Verbesserung der Forschungssituation) ist deshalb zynisch (oder dumm).
Ich habe diese Woche auch in Würzburg damit begonnen, einen lokalen Widerstand zu organisieren. Die Fachbereiche sollten auch gegenüber den jeweiligen Universitätsleitungen versuchen Druck auszuüben (oder doch zumindest ihre Position kenntlich und hörbar machen).
(...)


Roland Borgards

 


 

24.10.2008

 

"Harmonisierung“ der Semester und Vorlesungszeiten

(...)
die Fakultät für Biologie hat im März 2007 zu dem Vorschlag der HRK bezüglich der „Harmonisierung“ der Semester- und Vorlesungszeiten gegenüber der Hochschulleitung wie folgt Stellung genommen.
Die Fakultät spricht sich deutlich gegen die avisierte „Harmonisierung“ aus.
Folgende Gründe wurden angeführt:


1. In den Semesterferien finden nicht etwa einige wenige Praktika statt, die nur wenig Personal und Studenten betreffen. Diese Praktika sind verpflichtender für die Studenten als der Besuch von Vorlesungen. Dies bedeutet, dass ein Wechsel potentiell immer einen Zeitverlust mit sich bringt, da eben verpflichtende Veranstaltungen während des ganzen Jahres stattfinden.


2. Der Raum- und Zeitmangel während des Semesters zwingt uns dazu, viele Praktika in der

 vorlesungsfreien Zeit durchzuführen. Auch können so ganztägige Praktika durchgeführt werden. Durch die Harmonisierung fällt der September und der halbe Oktober (6 Wochen) als Praktikumszeit aus. Es ist weder dem Personal noch den Studenten zuzumuten, in den wichtigsten Ferienmonaten (Juli und August) mehrwöchige Praktika vor Beginn der Vorlesungszeit durchzuführen. Es ist auch zu Bedenken, dass der Ferienmonat Juli für die Betroffenen auch wegen der Abschlussklausur und der Wiederholungsprüfung deutlich kürzer ausfallen kann. Eine Verlegung der verlorenen 6 Wochen an den Anfang des Jahres (Verlängerte vorlesungsfreie Zeit vor dem Frühjahrssemester) bringt neue Probleme mit sich: Die Vorpraktika des Frühjahr- und Herbstsemesters müssen nun hintereinander am Stück durchgeführt werden. Dies wiederum bedeutet, dass Akad. Räte und wissenschaftliche Assistenten monatelang am Stück für die Forschung ausfallen. Dies ist insbesondere auch für Doktoranden, die hier dienstverpflichtet werden, unzumutbar. Auch ist es in vielen Fällen sinnvoller, die Praktika zeitnah als Vor- oder Nachpraktikum durchzuführen. Es ist bei der Bündelung der Praktika auch anzunehmen, dass die Überlappung d.h. die Raum- und Zeitnot, noch vergrößert wird.


3. Drei von 10 Lehrstühlen geben an, dass der September und Oktober essentielle Praktikums- und Exkursionsmonate aus jahreszeitlichen Gründen sind. D.h. Botanische und zoologische Kurse zur Systematik, Blütenbestimmungskurse, vegetationskundliche und faunistische Untersuchungen können nicht verlegt werden.


4. Der September und die erste Oktoberhälfte sind (und werden es auch bleiben) die Monate, in denen die meisten internationalen Kongresse und mehrwöchigen Kooperationsreisen stattfinden. Sie finden auch statt (und das Personal wird hingehen), wenn in dieser Zeit Vorlesungszeit ist.


5. Familienfreundlichkeit. Durch die Neuordnung der Vorlesungszeiten fallen die Osterferien der Schulkinder in die Vorlesungszeit. Darüber hinaus wird die Universitäts-Sommerpause (nicht aber die Schulferien), um den September, der von vielen Familien für den Sommerurlaub (Nachsaisonzeit) und gemeinsame Aktivitäten genutzt wird, gekürzt. Die zusätzliche vorlesungsfreie Zeit im Frühjahr ist dagegen viel weniger attraktiv, nicht nur wegen der Jahreszeit sondern auch weil die Kinder dann Schule haben.


6. Die Zeit zwischen dem Erhalt des Abiturzeugnisses und dem Beginn des Studiums verkürzt sich um 6 Wochen. Die Idee, dass sich die Abiturienten noch vor Erhalt des Zeugnisses auf Numerus Clausus Fächer bewerben sollen, ist interessant. Schon jetzt gelingt es nicht, wegen der aufwändigen Zulassungs- und Nachrückverfahren alle Studienplätze zu Vorlesungsbeginn zu besetzen. Die letzten Studenten werden zum Teil noch im Dezember zugelassen werden, d.h. nach der Neuregelung wäre das Semester dann vorbei.


7. Die Einführung des Bachelor-Master-Studiengangs ist in den Naturwissenschaften in Planung. Mit größeren Übergangsschwierigkeiten darf gerechnet werden. Neue Vorlesungszeiten bringen hier ein weiteres, jetzt noch nicht kalkulierbares Element herein. Wenn alles gleichzeitig „verbessert“ werden soll, klappt am Ende gar nichts – jedenfalls eine Zeit lang.


8. Die Vorteile einer Neuordnung der Vorlesungszeiten, die einen Vorteil für wenige Studenten bringt aber Nachteile für viele Studenten und das Hochschulpersonal, sind nicht überzeugend dargelegt. Der geplante Bachelor-Masters Studiengang Biologie ist in den klassischen Wechselsemestern bereits sehr flexibel, so dass einige bisherige Probleme leichter zu bewältigen sind und (noch) weniger Studenten betreffen.


Prof. Dr. M.J. Müller
Dekan Biologie, Universität Würzburg

 

(Zusatz 24.10.2008)

 

(...)

dass die Würzburger Fakultäten - soweit sie sich geäußert haben - eine Umstellung der Semesterzeiten vehement ablehnen. Eine zustimmende Äußerung habe ich bisher von keinem Dozenten vernehmen
können.
Es ist nicht zu begreifen, wie ein Gremium, dass sich als "Stimme der Hochschulen" bezeichnet, zu solchen Beschlüssen kommen kann.
(...)


Prof. Dr. M.J. Müller
Dekan Biologie, Universität Würzburg

 


 

24.10.2008

 

(...)
Der DAAD beklagt in den Bachelorstudiengängen einen Rückgang der Mobilität (Auslandssemester,
Auslandspraktika). Die HRK begründet die Verlegung der Vorlesungszeiten wesentlich mit der
Verbesserung der internationalen Mobilität. Für wen eigentlich? Das Gegenteil ist der Fall: Da
die Semester beispielsweise in Schweden oder Frankreich von September bis Dezember gehen,
können die Studierenden ohne Zeitverlust auch im Bachelorstudium ein komplettes zusätzliches
Auslandssemester einbringen, ohne sich Gedanken zu Anrechenbarkeit und Äquivalenzanerkennungen machen zu müssen, da ihnen im vorhergehenden
Semester und anschließend im Januar/Februar/März noch genug Zeit verbleibt, Module aus dem
Studiums ihrer Heimatuniversität einzubringen.
Aus der Praxis: Die Studierenden nehmen gerade weil sich die Studienzeiten nicht überschneiden
die Möglichkeit zu einem Auslandssemester im Bachelorstudium war. Durch die jetzige Situation
ist das gesamte System gerade noch flexibel genug dafür. Tatsächlich steht zu befürchten, dass die
Mobiliät auch für Studierende drastisch leiden wird, wenn die Semesterzeiten in allen Ländern zeitgleich stattfinden würden.
(...)


Robert Hock
Studienkoordinator Bachelor/Master Biologie

Priv.-Doz. Dr. Robert Hock Dept.of Cell and Dev. Biology
Biocenter, Würzburg

 


 

26.10.2008

 

Ich danke Ihnen sehr für diese Initiative! Für gelände-orientierte Disziplinen, wie gerade die Geologie und Paläontologie wäre die geplante Verschiebung eine Katastrophe. Im Zeitraum zwischen Winter- und
Sommersemester erlauben die kurzen Tage und die Witterungsbedingungen in den meisten Teilen Europas keine Geländearbeiten, seien es Exkursionen oder eigene Forschungsarbeiten. In der vorlesungsfreien Zeit des Sommers muss dann mit den Preisen und Engpässen in der allgemeinen Urlaubshochsaison konkurriert werden. Ich frage mich, warum eigentlich immer die europäischen
Nachbarländer oder die USA als Maßstab aller Dinge gelten müssen!
 

Prof. Dr. Hans-Georg Herbig
Universität zu Köln
Institut für Geologie und Mineralogie
AG Paläontologie und Historische Geologie

 


 

27.10.2008

 

(...)

Bereits am 13.03.08 hatte ich den Beitrag von Kaube "Die
Kalenderreform der Universitäten" in der FAZ mit folgender
"Lesermeinung" kommentiert:

Was in den Hirnen deutscher Wissenschaftsregulierer - gemeint gewesen war seinerzeit noch nicht die Hochschulrektorenkonferenz - abläuft, die selbst ja kaum je erfolgreich Wissenschaft betrieben haben dürften, verstehe, wer will. Sicher ist: Ausländer werden auch nach einer solchen Kalenderreform kaum mehr nach Deutschland kommen als bisher, denn die Sprache als Hemmnis besteht fort. Auch wird die Mobilität deutscher Studenten wohl eher abnehmen als ansteigen, denn
beispielsweise an ein US-Studienjahr würde man ein spätes deutsches Sommersemester kaum mehr anhängen können, anders als heute. Schließlich werden auch die im Ausland bis dato stark nachgefragten deutschen Professoren dort nicht mehr so einfach lehren können wie
bisher, wenn hier und dort gleichzeitig Vorlesungspause ist. Damit wäre dann auch der letzte Exportschlager der deutschen Wissenschaft erfolgreich beseitigt. - Wer, um Himmels willen, denkt sich so etwas also aus, hält diesen Provinzialisierungsschub am Ende für Fortschritt? - Die Universität Freiburg/Br. will ihren Kalender angeblich übrigens nicht ändern - aus gutem Grund!

(...)

 

Prof. Dr. Christoph Ann
Lehrstuhl für Wirtschaftsrecht und Geistiges Eigentum
Technische Universität München

 


 

28.10.2008

 

(…)
Es ist dringend notwendig, dass wir als Wissenschaftler gegen den zunehmenden
Dirigismus und Veränderungswahn der Wissenschaftspolitiker angehen und
Sturm läuten, wenn sich - wie auch hier wieder einmal - die berufsmäßigen Wissenschaftsfunktionäre etwas Kontraproduktives ausdenken. Modernismus und Anpassung um ihrer selbst willen wird hier betrieben, ohne die immensen Nachteile auch nur zur Kenntnis nehmen zu wollen.
Die konkret geplante Verschiebung der Semesterzeiten würde auch bei mir dazu führen, dass ich meine Lehrtätigkeit in Oxford aufgeben könnte. Ich bin regelmäßig im September und im März/April in Oxford, um dort zu unterrichten. Auch sehe ich darin in der Tat eine verheimlichte Verlängerung der Vorlesungszeiten. Ich weiß nicht, warum diese Funktionäre denken, Segen und Hoffnung für die deutsche Wissenschaft läge in weiterer Absenkung des Spielraums für Forschung. Es gab eine Zeit, in der das deutsche Hochschulsystem weltweit prägend war, und in der etwa Nobelpreise mit schöner Regelmäßigkeit nach Deutschland gingen. Warum will man sich nicht auf die damaligen
Vorzüge und Charakteristika des deutschen Systems besinnen, statt in falscher Nacheile alles so zu machen, wie es - real oder eingebildet - im angelsächsischen Raum läuft?
(…)

Univ. Prof. Dr. Wolfgang Weiß
Lehrstuhl für Öffentliches Recht, Völker- und Europarecht, DHV Speyer

Professor in International Law
Oxford Brookes University, UK

 


 

28.10.2008

 

(…)
hiermit möchte ich den Aufruf gegen die Verlagerung der Semesteranfangszeiten unterstützten. Diese Verlagerung ist aus mehreren Gründen unsinnig:


- es handelt sich keineswegs um eine Homogenisierung der Anfangszeiten auf internationaler Ebene, da die Universitäten in den romanischen Ländern zu ganz anderen Zeiten als dem 1. Sept. beginnen

- Diese kämen ihrerseits auch nie auf die Idee, eine Anpassungsmaßnahme wie in Deutschland zu veranstalten.

- Eine Homogenisierung ist auch gar nicht wünschenswert, da man sonst kaum noch an ausländischen Universitäten lehren kann, ohne zugleich massive Ausfälle in der Lehre an der heimischen Universität zu produzieren.

Prof. Dr. Michael Bernsen
Geschäftsführender Direktor des Institut für Griechische und Lateinische, Philologie, Romanistik und Altamerikanistik, Rheinische-Friedrich-Wilhelms Universität

 


 

28.10.2008

 

(…)
ich danke Ihnen für die Initiative, durch die hoffentlich die Mehrzahl der Hochschullehrer erreicht wird, und ich zweifle nicht daran, daß bei diesen mehr Vernunft bezüglich der Frage der Semesterzeit angesiedelt ist als bei der HRK.
Im Übrigen sehe ich in der geplanten Änderung nur eine erneute, diese Mal
allerdings verschämt getarnte Vermehrung des Lehrdeputats auf Kosten der
Forschungszeit: Sollte die Änderung durchkommen, betrüge die Verschiebung
von Forschungs- auf Lehrzeit einen Monat.
Es ist an der Zeit, sich gegen solche den Hochschulen und damit den
Hochschullehrern und Hochschullehrerinnen von außen aufgezwungenen
Willkürmaßnahmen zu wehren.

Prof. Dr. Trude Ehlert, M.A.
Institut für deutsche Philologie, Ältere Abteilung, Universität Würzburg

 


 

30.10.2008

 

Gegen diesen weiteren hochschulpolitischen Unsinn, der uns wieder einmal wie in einem totalitären Staat, leider mit Unterstützung einiger unserer Kollegen, aufoktroyiert werden soll, müssen wir uns diesmal aber erfolgreich wehren.

In meinem Fach (Angewandte Mathematik) sind der März, die zweite Juli-Hälfte und der September
die traditionellen Konferenzzeiten. Zwei dieser Zeiten würden bei der neuen Regelung wegfallen.

Dies ist eine klare Behinderung des Wissenschaftleraustauschs.

Und wie der Austausch Studierender besser gefördert werden soll, wenn man das amerikanische Quatersystem mit Lehrveranstaltungen von September bis Juni zum Vergleich heranzieht, bleibt mir auch verborgen.

Nun hat man schon durch eine undurchdachte, die Fachkulturen nicht berücksichtigende Einführung des Bachelor-Master-Systems die Mobilität behindert (nicht nur von Portugal nach Finnland,
nein auch von Oberfranken nach Unterfranken), sondern insbesondere auch mit den amerikanischen Universitäten, die sich gegenüber unserem dreijährigen Bachelor bei einem achtjährigen Gymnasium
zunehmend reserviert zeigen. In der Vergangenheit wurden Studierende im Hauptstudium in meinem Fach stets in die PhD-Kurse eingereiht. Dazu bedarf es heute großer Überzeugungskraft und eines wohlmeinenden Kollegen auf der amerikanischen Seite.

Der ständige Reformaktionismus muss jetzt aufhören. Ohne wissenschaftlich fundierte empirische Erhebungen, die die Auswirkungen einer solchen Reform von allen Seiten beleuchten, sollten wir Hochschullehrer die geplante Reform ablehnen.

Ich befürchte aber, dass das Hauptziel dieses Aktionismus als weiterer Versuch angelegt ist, durch Verlängerung der Lehrzeiten in kürzerer Zeit mehr Studenten, also zu weniger Geld, durch das System Universität zu schleusen. Überdenken des Gelernten und Forschung interessieren heute wohl scheinbar nicht mehr.

Mobilität liefert sicherlich eine wunderbare Erfahrung, von der man das ganze Leben zehren kann,
aber bitte mit Bedacht und ohne Zeitdruck, sonst versündigen wir uns an unseren Kindern.

Prof. Dr. Hans Josef Pesch, LS Ingenieurmathematik, Hochschulrat,
Universität Bayreuth

 


 

30.10.2008

 

(…)
ich bin Biologe und führe verschiedene praktische Veranstaltungen für Lehramtsstudierende durch, u. a. auch zur Botanik. Bisher ist es so, dass ich gerade zurechtkomme, wenn ich Mitte April anfange. Dann kann ich die Einführung mit gekauften Pflanzen machen, und eine Woche später habe ich dann die Frühblüher im Freiland. Sukzessive blühen dann im Semester etwa die Pflanzen, die ich gerade brauche. Diese für Lehramtsstudierende essentielle Veranstaltung wird also immer Mitte April anfangen, egal, wie die Rektorenkonferenz das Semester legt, es sei denn, das Frühjahr wird auch verlegt. Ähnliches gilt auch für Ökologieveranstaltungen. Man kann sie nicht in der vegetationsfreien
Zeit machen. Von meiner Tochter hörte ich, dass in Bern, wo es schon länger die "modernen" Semesterzeiten gibt, ein geplanter Ökologiekurs nicht stattfinden konnte, weil sich niemand der Dozenten mit den Pflanzenarten auskannte.

Ich unterstütze Ihren Aufruf gegen die Verschiebung der Semesterzeiten.
(…)

Dr. Wolfgang Poltz
FB 8, Chemie/Biologie, Universität Siegen

 


 

2.11.2008

(…)
vielen Dank, dass Sie die Initiative gegen eine Änderung der Semesterzeiten ergriffen
haben.

Als Erasmus-Koordinator kann ich nur bestätigen, dass die geplante Änderung erheblich
mehr Nachteile als Vorteile mit sich bringt. Es wird für Dozenten fast unmöglich, sich an
einem Dozenten-Austausch zu beteiligen, da dieser ja im laufenden Semester erfolgen
müsste. Derzeit können derartige Austausche ohne Schwierigkeiten in unserer
vorlesungsfreien Zeit vorgenommen werden.

Unter der jetzt gegebenen Bedingungen schaffen es Studierende, die am Erasmus-Programm
teilnehmen, in einem Kalenderjahr DREI Semester unterzubringen: ein Herbst- und ein
Frühjahrssemester im Ausland sowie das sich anschließende Sommersemester an der
Heimatuniversität. Diese Möglichkeit wird ihnen durch den neuen Plan genommen.

Daher bin ich der Meinung, dass die Angleichung der Semesterzeiten KEINE Harmonisierung
bedeutet - es bedeutet vielmehr eine Gleichmacherei, wobei nicht ersichtlich ist, was damit gewonnen werden soll.
(…)

Dr. Peter Stahl
Institut für Deutsche Philologie, Universität Würzburg

 


 

3.11.2008

 

(…)
Herzlichen Dank für die Initiative! Ich hoffe, daß sich viele Hochschulangehörige dem Protest anschließen und daß es gelingt, diesen Unfug zu verhindern.
(…)

Dr. Helmut G. Asper
Akademischer Oberrat
Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft
Universität Bielefeld

 


 

7.11.2008

 

(…)
den Konstanzer Initiatoren herzlichen Dank für diesen begrüßenswerten Aufruf gegen die
von der HRK geplante Verschiebung der Semesterzeiten! Den in vielen Kommentaren
zusätzlich gebrachten Argumenten stimme ich voll zu. Das vorgebliche Ziel – eine "Harmonisierung" und Förderung der Mobilität - wird durch die Verschiebung vielleicht in einigen wenigen Teilbereichen erreicht werden, in vielen anderen Bereichen wird sie aber gerade das Gegenteil bewirken, Mobilität behindern und die Organisation von Studium, Forschung und Lehre noch mehr erschweren, als es derzeit ohnehin schon der Fall ist. Ich füge einige Überlegungen hinzu:

1. Die geplante Verschiebung der Semesterzeiten wird eine massive Beeinträchtigung der
Forschung mit sich bringen - dies zumal für jene, die wie ich darauf angewiesen sind,
ausländische Archive und Bibliotheken zu nutzen. In den Sommermonaten
Juli und August haben diese Einrichtungen oft reduzierte Öffnungs- und Servicezeiten
oder sind überhaupt geschlossen!

2. Die Bundesrepublik hatte in früheren Zeiten eine feste Semestereinteilung, die das
Sommersemester überall gleich mit dem 1. Mai und das Wintersemester mit dem 1. November
beginnen ließ. Diese Einteilung wurde - nach den Aussagen älterer Kollegen - in den 70er
Jahren aufgegeben, weil durch eine Vorverlegung des Semesterbeginns es den Kollegen aus
den Naturwissenschaften erleichtert werden sollte, wichtige Kongresse zu besuchen, die
immer in der zweiten Julihälfte stattfinden (stattfanden?). Nur Bayern blieb bei der
alten Regelung, zog aber vor ein paar Jahren nach. Alle, die wie ich beide Regelungen
kennen gelernt haben, sind der Auffassung, dass die alte Variante für die Organisation
des Lehrbetriebs eindeutig besser war.

3. Ich vermisse bei den Betreibern solcher "Harmonisierungen" Reflexionen darüber,
welches die optimalen Voraussetzungen für einen vernünftigen Semesterablauf sind. Eine
stachanowistische Ausweitung der Vorlesungszeiten (wie sie unter der Hand hier eintreten
würde) trägt jedenfalls den Bedingungen, unter denen Studium, Lehre und Forschung
heutzutage zu organisieren sind, nicht Rechnung!

Dem Aufruf viel Erfolg
(…)

Prof. Dr. Claudia Märtl
Lehrstuhlinhaberin für Mittelalterliche Geschichte mit dem Schwerpunkt Spätmittelalter,
LMU München

 


 

10.11.2008

 

(…)
Was hier mit Angleichung an das Ausland gemeint ist entzieht sich meiner Kenntnis. Abgestimmt wird dadurch im Europäischen Maßstab gar nichts. Wohl aber würde so mit - großem und teurem bürokratischen Aufwand - für unsere Studierenden und Mitarbeiter der Kontakt mit dem Ausland weiter erschwert, die Mobilität eingegrenzt und bei der fortlaufenden Verschulung jedwedes Ausscheren aus vorgegebenen Bahnen bestraft. (Der September ist etwa Konferenzmonat in einer Reihe von Fächern und sollte eben auch für Prägraduates offen sein. Dass zudem Vorklinikum,
Exkursionen, Workshops und andere Lehrveranstaltungen auf der Strecke bleiben ist
wohl ebenfalls kaum bedacht. (…)

Prof. Dr. Dr. Olaf Breidbach
Naturwissenschaft und Technik, Institut für Geschichte der Medizin,
Friedrich-Schiller-Universität Jena

 


 

10.11.2008

 

(…)
vielen Dank für die Organisation der Unterschriftenaktion gegen die
geplanten neuen Semesterzeiten!
(…)

Prof. Dr. Gertrud Lehnert
Professur für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft am Institut für Künste und Medien, Universität Potsdam

 




10.11.2008

 

(…)
ich darf Ihnen mitteilen, daß der Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands (VHD) sich Ihrer Initiative gegen die Änderung der Semesterzeiten anschließt und sie offiziell unterstützt. Eine Änderung der Semesterzeiten ist auch in unseren Augen weder von der Sache her geboten
noch für den internationalen wissenschaftlichen Austausch nützlich. Es sollte daher auf derartige Änderungen verzichtet werden.
(…)

Prof. Dr. Werner Plumpe
Vorsitzender des Verbandes der Historiker und Historikerinnen Deutschlands
Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Historisches Seminar,
Goethe-Universität Frankfurt am Main

 


 

15.11.2008

 

(…)

Wenn das Semester schon im September anfängt, dann wäre für uns Dozenten unmöglich, an den internationalen Konferenzen teilzunehmen, die seit Jahren am Ende des Sommers stattfinden.
Danke für Ihre Initiative!
(…)

Anna Chiarloni
Prof.ord. di Letteratura Tedesca
Facoltà di Lettere, Università di Torino, Italia

 


 

17.11.2008

 

(…)
Ein drittes Argument wäre m.E., dass die meisten Konferenzen auf die jetzigen Zeiten abgestimmt sind (Zeitfenster im März/April und vor allem im September/1. Oktober-Hälfte). Diese Tagungen müßten entweder samt und sonders verlegt werden; oder die Professoren könnten nicht mehr
daran teilnehmen oder aber die Studenten bekämen während dieser Zeiten nur noch Vertreter in die Vorlesung geschickt.
(…)

 

Prof. Dr. Thomas Dreier
Institut für Informationsrecht, Zentrum für angewandte Rechtswissenschaft (ZAR),
Universität Karlsruhe / Karlsruhe Institute of Technology (KIT)17.11.2008

 


 

19.11.2008

 

(…)
für [die]Initiative gegen eine Verschiebung der Semesterzeiten möchte ich mich bedanken. Ich kann diese vorbehaltlos unterstützen und mich Ihren und den meisten Argumenten der bisherigen Kommentatoren anschließen.

Aus der Sicht der lehrerbildenden Studiengänge wäre hier noch auf die schwierigere Abstimmung mit den uneinheitlichen Ferienzeiten der Schulen hinzuweisen, die insbesondere die Blockpraktika in einen für Ausbildungszwecke ungünstigen Zeitraum des Schuljahres (z.B. Schuljahrsende) verschöbe - je nach Bundesland und Ferienplan. Bisher hat sich die vorwiegend dafür genützte Zeit (Feb/März bzw. Sept/Okt) für die i.d.R. vierwöchigen Praktika bewährt, weil sie sich in den Schulrhythmus harmonisch einfügte und nicht von der Hektik betroffen war, die z.B. vor der Zeugnisvergabe an den Schulen entsteht.

Ich wünsche Ihrer Initiative weiterhin breite Unterstützung und vor allem den dringend benötigten finalen Erfolg.

Prof. Dr. Berbeli Wanning
Institut für Sprachen ( Abt. Deutsch)
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg

 


 

24.11.2008

 

(…)
ich schließe mich dem Aufruf gegen die willkürliche, demokratisch nicht legitimierte
Verschiebung der Semesterzeiten an.
(…)

Univ.-Prof. Dr. Frank Göttmann
Fakultät für Kulturwissenschaften, Historisches Institut ,Universität Paderborn

 


 

28.11.2008

 

(…)
Als ein Beitrag, der vielleicht Schule machen und den Druck auf die HRK weiter erhöhen könnte, hat der Senat der Universität Oldenburg auf meine Initiative hin auf seiner letzten Sitzung am 27.11. die folgende Resolution verabschiedet:

Der Senat (der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg) wendet sich gegen den Beschluss der HRK, ab dem WS 2011 die Zeiten des WS vom 1. September bis 31.Dezember und des SS vom 1. März bis 30. Juni vorzuverlegen, sondern an den bisherigen Zeiten festzuhalten. Durch diese Harmonisierung mit anderen europäischen Ländern wird die Mobilität der Studierenden zwischen Deutschland und dem europäischen Ausland nicht erleichtert. Diese Änderung bedeutet im Gegenteil viele Nachteile für Studierende und Lehrende sowohl aus dem Inland als auch aus dem Ausland. Durch die Einführung des Bachelorsystems ist die Mobilität der Studierenden nicht gefördert, sondern
eingeschränkt worden. Die Harmonisierung wird hierbei als Abhilfe keinen konstruktiven Beitrag leisten. Der Senat fordert das Präsidium auf, in der HRK diese Änderung noch einmal zu thematisieren und zu hinterfragen.
(…)

Prof. Dr. Meinhard Simon
Institute for Chemistry and Biology of the Marine Environment (ICBM),
University of Oldenburg

 

 


 

10.12.2008

 

Appell des Deutschen Archäologenverbandes und des Verbandes Deutscher Kunsthistoriker zur geplanten „Harmonisierung“ der Semesterzeiten.

                                                                                       Bonn, Dezember 2008

Stellungnahme zur geplanten "Harmonisierung" der Semesterzeiten

Nach einem Beschluss der Hochschulrektorenkonferenz vom Mai 2007 sollen die Semesterzeiten in Deutschland im Zuge einer internationalen 'Harmonisierung' ab 2010 vorverlegt werden. Das Wintersemester soll Anfang September beginnen, das Sommersemester Anfang März. Vorlesungsbeginn wäre jeweils am ersten Montag im Semester. Die vorlesungsfreie Zeit läge demnach im Januar/Februar und Juli/August.

Der Deutsche Archäologen-Verband und der Verband Deutscher Kunsthistoriker, Berufsverbände mit zusammen ca. 2800 Mitgliedern, sprechen sich nachdrücklich gegen eine Umsetzung dieses Beschlusses aus, da hiermit eine gravierende Verschlechterung der Forschungs-, Ausbildungs- und Lehrsituation verbunden wäre.

  • Der Übergang von Abitur zum Studium würde durch die verkürzte Bewerbungs- und Einschreibezeit erschwert.
  • Die Durchführung von Praktika, denen im Rahmen der neuen BA-Studiengänge eine besondere Bedeutung zukommt, würde nahezu unmöglich gemacht, da die Semesterferien weitgehend parallel zu den Schulferien lägen, in denen viele Betriebe/Einrichtungen geschlossen sind bzw. eingeschränkt arbeiten.
  • Juli/August eignen sich nicht für Exkursionen, Forschungsreisen und Feldforschungen, die für die denkmälerorientierten Wissenschaften wie die Archäologien und die Kunstgeschichte unverzichtbar sind. Erstens sind viele Einrichtungen wie Archive, Bibliotheken und Ämter geschlossen, zweitens ist es in vielen Ländern in dieser Zeit klimatisch zu heiß für Feldforschungen, und drittens sind die Reise- und Übernachtungskosten in Ferienzeiten stark erhöht. Archäologische Ausgrabungen lassen sich in den meisten Ländern Europas auch im Januar/Februar wegen der Witterungsverhältnisse nicht durchführen.
  • Wenn die vorlesungsfreie Zeit um ca. vier Wochen gekürzt würde (die Semester sollen den Plänen nach mindesten 16 Unterrichtswochen umfassen), bliebe zuwenig Zeit für die Forschung, zumal der Prüfungs- und Korrekturaufwand durch die Bologna-Reformen erheblich gestiegen ist. Außerdem fehlte die Zeit zur Durchführung von Fachtagungen, Exkursionen usw.
  • Es trifft nicht zu, daß die geplanten neuen Zeiten international üblich sind – vielmehr gibt es starke Schwankungen. Gegenwärtig erleichtert die mit einigen Ländern zeitversetzte Semestertaktung geradezu den Austausch und die Einladung von Gastwissenschaftlern.

Wie zahlreiche weitere Fachverbände und Berufsverbände appellieren der Deutsche Archäologen-Verband und der Verband Deutscher Kunsthistoriker daher eindringlich an die Hochschulrektorenkonferenz und an die Verantwortlichen in den Bundesländern und Universitäten, die Pläne zur Veränderung der Semesterzeiten fallen zu lassen, damit Forschung und Lehre keinen Schaden nehmen.

Prof. Dr. Martin Bentz

Vorsitzender des Deutschen
Archäologen-Verbandes e.V.

www.darv.de

Prof. Dr. Georg Satzinger

Erster Vorsitzender des Verbandes
Deutscher Kunsthistoriker e.V.

www.kunsthistoriker.org

Deutscher Archäologenverband e.V.              Verband Deutscher Kunsthistoriker



 

12.12.2008

 

19.11.2008



Harmonisierung der Semester- und Vorlesungszeiten
Entschließung der Mitgliederversammlung vom 4.5.2007
Artikel in der Forschung und Lehre 3/2008, Seite 164-166 und 8/2008, Seite 509
Aufruf unter www.aktion-semesterzeiten.de



Sehr geehrte Präsidentin,
sehr geehrte Frau Kollegin Wintermantel,

die Mitglieder des Präsidiums und die Dekane der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel haben die Pläne der HRK zur Harmonisierung der Semester- und Vorlesungszeiten diskutiert und sehen sie mit großer Sorge. In diesem Schreiben möchten wir unsere Bedenken hinsichtlich der geplanten Vorverlegung der Semester- und Vorlesungszeiten zum Ausdruck bringen.

Die HRK hat beschlossen, zum Wintersemester 2011/2012 die Semester- und Vorlesungszeiten vorzuverlegen. Danach soll das neue Herbstsemester jeweils vom 1.9.-28.2. laufen, die Vorlesungszeit grundsätzlich am ersten Montag im September beginnen und spätestens Mitte/Ende Januar, theoretisch auch bereits am 23.12. enden, je nach landesrechtlich vorgeschriebener Dauer der Vorlesungszeit. Das neue Frühjahrssemester soll vom 1.3.-31.8. laufen, die Vorlesungszeit soll grundsätzlich am ersten Montag im März beginnen und Ende Juni enden, je nach landesrechtlich vorgeschriebener Dauer der Vorlesungszeit.

Ziel dieser Vorverlegung ist die Verbesserung der Mobilität der Studierenden.

Es ist durchaus zweifelhaft, ob die bislang in den Bachelor - Studiengängen sinkende Mobilität der Studierenden durch eine derartige Veränderung der Vorlesungszeiten aufgehalten werden kann. Wir denken, dass es hierzu anderer Maßnahmen bedürfte.

Eine Internationale Harmonisierung der Semester- und Vorlesungszeiten – wie sie nunmehr geplant ist - wird von uns sehr kritisch gesehen. Denn in Hinblick auf die Wissenschaftler an den Hochschulen würde die angestrebte - jedoch stark bezweifelte – Verbesserung der Mobilität der Studierenden sogleich kompensiert:

Die Angleichung der deutschen Semestertaktung würde den länderübergreifenden Austausch zwischen Wissenschaftlern nicht fördern, sondern erschweren. Für die Internationalisierung der deutschen Hochschulen ist es bisher gerade von Vorteil, dass der akademische Kalender in Deutschland gegenüber anderen Ländern zeitversetzt ist. Dadurch entstehen zweimal im Jahr Korridore von mehreren Wochen, die sich ideal für die Einladung von Gastwissenschaftlern eignen. Diese ausländischen Gäste ergänzen bzw. erweitern häufig das Lehrangebot der inländischen Fakultäten und tragen so auch zur Internationalität und zur Qualität der Ausbildung an deutschen Hochschulen bei. Ferner können deutsche Wissenschaftler im März und September zu Gastaufenthalten etwa an ausländische Hochschulen reisen, ohne ihre Lehrverpflichtungen zu Hause zu beeinträchtigen. Umgekehrt kommen Professoren und Doktoranden aus diesen Ländern vorzugsweise im Juni oder Juli nach Deutschland, d.h. in ihrer eigenen vorlesungsfreien Zeit, halten hier Gastseminare ab oder partizipieren auf andere Weise am akademischen Leben während der deutschen Vorlesungszeit. Auf diesem einfachen Prinzip beruht eine Vielzahl von interuniversitären Austauschprogrammen, die mit großem Engagement in Gang gebracht und durch Steuergelder mit beträchtlichen Summen gefördert wurden. Zudem findet in den Sommermonaten August und September der intensive Forschungsbetrieb statt, der durch die neuen Semesterzeiten zunichte gemacht würde.

Ein weiterer Grund, der gegen die Vorverlegung der Semester- und Vorlesungszeiten spricht, ist die damit einhergehende deutliche Verkürzung der Bewerbungsfristen für die Schulabgänger. Die Reform würde dazu führen, dass die Schüler sich während ihrer Abiturprüfungen bereits um den Studienplatz kümmern müssten, und dies ohne ihre Abiturnote bereits zu kennen. Hierdurch würden auch die Zulassungsverfahren an den Hochschulen erschwert.

Zudem sprechen die bislang auf die universitären Abläufe abgestimmten Zeitpläne bei Prüfungen, Praktika, Vorbereitungskursen auf das Studium und Sommerschulen gegen eine Veränderung der Semester- und Vorlesungszeiten. Dies alles erneut aufeinander abzustimmen würde die Hochschulen viel Zeit und Kraft kosten, die an anderer Stelle sinnvoller genutzt werden kann.

Nicht zuletzt führt eine derartige Vorverlegung der Semester- und Vorlesungszeiten zu einer Ballung aller Schul- und Hochschulferien in Deutschland insbes. in den Sommermonaten Juli und August. Nachdem man auf Länderebene seit Jahren versucht, die Schulferien zeitlich zu entzerren, um die Reisebewegungen zu strecken, wäre dies eine kontraproduktive Regelung.

Im Ergebnis wird bezweifelt, dass mit der Vorverlegung der Semester- und der Vorleistungszeiten die Mobilität der Studierenden erhöht wird. Die zu erwartenden geringen Erfolgsaussichten dieser Absicht rechtfertigen in keiner Weise den Aufwand und die genannten Nachteile einer solchen Reform der Semester- und Vorlesungszeiten. Als Forschungsstandort würde Deutschland durch die Änderung Schaden erleiden. Die Mobilität von Hochschullehrern und Nachwuchswissenschaftlern würde empfindlich vermindert, erfolgreiche Austauschprogramme würden behindert oder unmöglich gemacht.

Die Unterzeichner dieses Aufrufs appellieren an die Hochschulrektorenkonferenz und an die Verantwortlichen in den Ländern, die Pläne zur Angleichung der deutschen Semesterzeiten nicht weiter zu verfolgen.

Im Namen aller Unterzeichnenden



Prof. Dr. Gerhard Fouquet
Präsident der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel



Vizepräsident für Lehre, Prof. Dr. Frank Kempken

Vizepräsident für Forschung, Prof. Dr. Siegfried Wolffram

Kanzler, Dr. Oliver Herrmann

Dekan der Theologischen Fakultät, Prof. Dr. Dieter Sänger

Dekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät, Prof. Dr. Hartmut Oetker

Dekan der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät, Prof. Dr. Helmut Herwartz

Dekan der Medizinischen Fakultät, Prof. Dr. Stefan Schreiber

Dekan der Philosophischen Fakultät, Prof. Dr. Anja Pistor-Hatam

Dekan der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät, Prof. Dr. Lutz Kipp

Dekan der Agrar- und Ernährungswissenschaftlichen Fakultät, Prof. Dr. Uwe Latacz-Lohmann

Dekan der Technischen Fakultät, Prof. Dr. Franz Faupel

 


 

 

10.2.2009

 

[...]
Ein weiteres Argument gegen die Änderung ist - zumindest in den Lehramtsstudiengängen -
in meine Augen das folgende:

Qualifizierte Lehrer lassen sich, bei der üblichen, schlechten Bezahlung, ohnehin nur schwer zu Lehraufträgen "überreden".
Wenn die Vorlesungszeit nun auch noch voll in die Oster- und Herbstferien fällt, wird es noch schwieriger werden, schulnahe Veranstaltungen mit adäquaten Lehrenden zu besetzen.

Gruß aus Braunschweig

AOR Frank Förster

Institut für Didaktik der Mathematik und Elementarmathematik
Technische Universität Braunschweig

 


 

15.2.2009

 

Stellungnahme des Senats der

Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn vom 5. Februar 2009 zu der „Empfehlung zur Harmonisierung der Semester- und Vorlesungszeiten an deutschen Hochschulen im europäischen Hochschulraum“der Hochschulrektorenkonferenz vom 4. Mai 2007

 

Der Senat der Universität Bonn begrüßt die Bemühungen der HRK um Harmonisierung der Vorlesungszeiten im Europäischen Hochschulraum und unterstützt nachdrücklich das Ziel der Förderung der Studierendenmobilität in Europa. Der Senat der Universität Bonn hält aber die Empfehlung der HRK, die Vorlesungszeiten in Deutschland in Zukunft Anfang September bzw. Anfang März beginnen zu lassen, für einen unnötig radikalen Systemwechsel und verabschiedet folgenden Kompromissvorschlag als

 

Bonner Modell:

  • Vorlesungsbeginn im Herbst ist die Woche, in der der 1. Oktober liegt. Vorlesungsende ist dann 15 Wochen Vorlesungszeit (netto) später.

  • Vorlesungsbeginn im Frühjahr ist die Woche, in der der 1. April liegt.    Vorlesungsende ist dann 14 Wochen Vorlesungszeit (netto) später.

(Netto-Vorlesungszeit meint reine Vorlesungszeit ohne Berücksichtigung von Weihnachts- oder Pfingstferien: Der Netto-Vorlesungszeit zugrundegelegt sind die Netto-Vorlesungs­wochen in Bonn im Wintersemester 2008/09 und im Sommersemester 2009).

 

Der Senat der Universität Bonn hat vor der Verabschiedung dieses Kompromissvorschlages eine Umfrage unter den Erasmus-Fachkoordinatoren und Auslandsbeauftragten der Universität Bonn veranstaltet. Im Ergebnis sahen 20 von 31 Antwortenden keine nennens­werten Behinderungen der Studierendenmobilität durch die derzeit geltenden Vorlesungs­zeiten und sprachen sich für die Beibehaltung der geltenden Vorlesungszeiten aus. Weitere 4 äußerten sich indifferent oder befürworteten eine Vorverlegung um 2 bis 3 Wochen. Die deutlichste Ablehnung der HRK-Empfehlung kam aus der Mathematisch-Naturwissenschaft­lichen Fakultät (10 von 12 Antwortenden); auch Anglisten und Amerikanisten äußerten sich ablehnend.

Als Gründe für seinen Kompromissvorschlag führt der Senat der Universität Bonn im einzelnen an:

1.     Studierendenmobilität

  • Das einzige Argument, das für die Empfehlung der HRK mit ihrem radikalen Systemwechsel sprechen könnte, stellt das relativ späte Ende der Vorlesungszeiten im aktuellen deutschen Wintersemester dar. Dennoch entstehen hier, wie die Um­frage unter den Erasmus- und Auslandsbeauftragten gezeigt hat, in der Praxis kaum Probleme. Und alle möglichen Einzelprobleme ließen sich durch die Vorverlegung der deutschen Vorlesungszeiten um eine bis zwei Wochen lösen.

  • Die Graphik über die aktuellen internationalen Vorlesungszeiten, die die Vorsitzende der HRK Prof. Wintermantel in Forschung und Lehre 3/2008, S. 165, vorlegt, enthält tendenziöse Fehler oder Vereinfachungen der uneinheitlichen Situation in gewissen Ländern.

  •  Bei einem Vorlesungsbeginn zu Anfang September müsste die zweite Prüfungsphase des Sommersemesters in den BA-/MA-Studiengängen jeweils Ende Juli, Anfang August stattfinden.

  • September ist der ideale Monat für Exkursionen, Summer-Schools und vorbereitende Sprachkurse für incomings und outgoings.  

  • Folgt man der Graphik der HRK, so soll nicht nur die zweite sondern auch die erste Prüfungsphase jedes Semesters noch zusätzlich zu den momentan vierzehn bis fünfzehn Wochen Lehrbetrieb pro Semester geleistet werden. Dies würde aber keineswegs zur „Harmonisierung der Semester- und Vorlesungszeiten im euro­pä­ischen Hochschulraum“ beitragen, da zum Beispiel in Frankreich dreizehn Wochen und in Italien zwölf Wochen Lehrbetrieb pro Semester geleistet wird, woran sich jeweils eine zwei- bzw. dreiwöchige Prüfungsphase anschließt.

  •  Die Neuordnung der Vorlesungszeiten in Deutschland gemäß der Empfehlung der HRK würde sich extrem nachteilig für die immer wichtiger werdenden und oft auch in den Prüfungsordnungen vorgeschriebenen, berufsqualifizierenden Praktika aus­wirken, da Praktika in der Regel mindestens zwei Monate umfassen und Studie­rende auch ein Recht auf Urlaub haben. Außerdem können in vielen Studienrichtun­gen Praktika nicht oder kaum während der Schulferien abgeleistet werden.

  • Im Rahmen der momentan geltenden Regelung der deutschen Vorlesungszeiten können deutsche Studierende an ein einjähriges Auslandsstudium noch problemlos ein längeres berufsqualifizierendes Praktikum im Ausland anschließen, und dies würde sich auch gemäß den Vorlesungszeiten des „Bonner Modells“ nicht ändern.

  • Die Bewerbungsfrist für BA-Studienplätze müsste gemäß den Empfehlungen der HRK in Zukunft mitten in die Zeit der Abiturprüfungen gelegt werden. Bewerbungs­grundlage wäre dann das Zwischen­zeugnis der Abiturklasse. Damit ginge entweder eine Abwertung des Abiturs einher, oder es könnten nur vorläufige Zusagen für Studienplätze erteilt werden, was die schon jetzt auftretenden Probleme der Studien­platzverteilung noch potenzieren würde.

 

2.     ForscherInnenmobilität

  • Gerade eine gewisse Asynchronie der Vorlesungszeiten fördert die Internationali­sierung der Lehre und den wissenschaftlichen Austausch.

  •  Der September ist in vielen Disziplinen der ideale Monat für Forschungsaufenthalte, Feldforschungen und Geländearbeiten.

  • Auch in Ländern, in denen die Vorlesungen bereits im September beginnen, ist und bleibt September einer der wichtigsten Tagungsmonate.




Ich stimme Albrecht Koschorke in seiner Kritik an der Umstellung der Semesterzeiten vollkommen zu. Reicht es denn noch nicht, daß die Universitäten schon jetzt die Studienplatzbewerber nicht rechtzeitig adäquat unterbringen können, weil die Zeitfenster zwischen Abitur und Studienbeginn knapp sind? Reicht es nicht, daß wir mit der Umstellung auf das achtjährige Abitur demnächst doppelte Jahrgänge an den Universitäten zu erwarten haben, was nicht nur eine grandiose strukturelle Überlastung in der Lehre mit sich bringe , sondern auch enorme bürokratische Belastungen zeitigen wird? Der internationale Austausch funktioniert gut, hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen und krankt heute nicht an mangelnder Zeitsynchronisierung, sondern daran, daß die neuen Studiengänge so dicht gestrickt sind, daß die Studenten glauben, keine Zeit für solche Extratouren zu haben. Ich habe an der Universität Basel die neuen Semesterzeiten erlebt und weiß, wie allen nach dem Herbstsemester die Zunge aus dem Hals hängt, ich weiß, wie kurz die Pause zwischen Herbst- und Frühjahrssemester damit wird. Kann es außerdem sein, daß dabei klammheimlich zwei weitere Vorlesungswochen hinzugefügt werden?

Daß die HRK sich so wenig um die Bedenken aus der Hochschulpraxis kümmert und statt dessen stur auf die angeblichen strukturellen Zwänge zur europäischen Harmonisierung verweist, zeigt, wie
abstrakt das Projekt "Bologna" mit all seinen Folgen inzwischen geworden ist. Wann immer jemand Umsetzungsprobleme beklagt oder fragt, ob diese Reformen wirklich alle sachgerecht seien, ob die
Studenten tatsächlich besser ausgebildet würden, dann wird er stereotyp damit konfrontiert, daß "Bologna" dies vorschreibe und man dies umsetzen müsse. Genau so stellen wir uns das akademische Zusammenwachsen Europas vor: Als bürokratische Umsetzung von Regeln, die die verschiedenen Problemlagen über einen Kamm scheren und von denen keiner mehr so recht weiß, wer sie mit welchem Interesse gemacht hat. "Bologna" (oder in diesem Fall: "Glasgow") ist inzwischen ein bürokratischer Verwaltungsvorgang, bei dem die Beteiligten lieber gar nicht erst gefragt werden.

DASS eine derartige europaweite, bürokratisch betriebene Angleichung der Verhältnisse überhaupt machbar ist, muß schon bezweifelt werden. Noch mehr steht in Frage, OB sie in dieser Form wünschenswert ist. Hinter dieser Politik, die, das nur nebenbei, selten von echten Kennern gemacht wird, steht ein Ideal von europäischer Standardisierung, das bemerkenswert unempfindlich gegenüber den Wünschen der Menschen und den realen Verhältnissen ist (obschon es in anderen Bereichen, etwa in der Agrarpolitik, schon lange Schiffbruch erlitten hat). Weit mehr als unterschiedliche Semesterzeiten beschäftigt die Praktiker, daß die akademischen Kulturen in Deutschland, Italien oder Großbritannien höchst unterschiedlich sind; sie werden sich nicht angleichen lassen, und man muß die Unterschiedlichkeit nutzen, anstatt sie zu nivellieren. Ich habe weder Probleme, ins Ausland zu gehen, noch damit, Kollegen aus dem Ausland einzuladen, und auch wenn diese oft sehr anders arbeiten als ich, lerne ich wie auch meine
Studenten viel davon. Mit Erasmus und anderen Austauschprogrammen, mit Hochschulpartnerschaften und internationalen Graduiertenkollegs ist in den letzten Jahren viel an
Internationalisierung geschehen, und dieser Weg sollte weitergegangen
werden.

Die Bemühungen um eine Änderung der Semesterzeiten ohne Blick auf die Beteiligten sind ein typischer Ausdruck der Überhast, mit der zur Zeit Strukturreformen im Sammelpack angegangen - und oft genug auch in den Sand gesetzt - werden. Das überfordert die Universitäten, ihr Personal und die Studenten gleichermaßen, und in diesem Fall auch andere Institutionen wie die Gymnasien. Man
lehrt und forscht nicht mehr, sondern ist mit der Umsetzung von Reformen - jedenfalls, was sich so nennt - beschäftigt, seien es neue Studienordnungen, Ratings, Evaluationen oder eben neue Zeitplanungen. Als Historiker kann ich nur auf die Reform- und Planungseuphorie der sechziger und frühen siebziger Jahre verweisen, die in ähnlicher Weise alles sofort anpacken wollte
(mit vergleichbar technokratischen Argumenten, die auf strukturelle Zwänge verwiesen), die in ähnlicher Weise über die Köpfe der Betroffenen hinweg agierte und die ganz ähnlich in
vielen Bereichen ohne langfristigen Erfolg geblieben ist. Wenn man die Betroffenen nicht besser mitnimmt, steht dieser Ausgang auch für "Bologna" ins Haus, allen politisch vindizierten Siegesnachrichten zum Trotz.

Die Weigerung, all diese Wege durch die Wand bedenkenlos mitzumachen, kann man in der Tat als Strukturkonservatismus bezeichnen, wie der Generalsekretär der HRK das tut. Das ist nur ein anderes Wort für die sehr vernünftige Frage danach, was alles verkraftet werden kann und welche Maßnahmen Nachhaltigkeit zeitigen können.

Prof. Dr. Thomas Mergel

Humboldt-Universität Berlin
Institut für Geschichtswissenschaft

 

[Leserbrief-Reaktion auf den Artikel "Knatsch um Semesterzeiten" von Eva Keller im  DUZ-Magazin vom 27.03.2009]

 


 

21.4.2009

 

[Aus dem Newsletter 04/2009 des Hochschulverbandes]

 

Kempen: "Asynchrone Semestertaktung fördert Mobilität"

Der Deutsche Hochschulverband (DHV) fordert die Länder dazu auf, an der bisherigen Semestereinteilung festzuhalten. Die Pläne der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), die Semesteranfangszeiten von April auf März und von Oktober auf September vor-zuverlegen, lehnt die Berufsvertretung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Deutschland ab: "Die Harmonisierung von Vorlesungszeiten soll internationale Mobilität fördern, bewirkt tendenziell jedoch das Gegenteil", erklärte der Präsident des DHV, Professor Bernhard Kempen. "Die Zeitversetzung in den akademischen Kalendern ermöglicht bislang kurzzeitige Gastaufenthalte, ohne dass deutsche und ausländische Wissenschaftler ihre Semesterlehrverpflichtungen an der heimischen Uni-versität vernachlässigen müssen. Gerade der transatlantische Wissen-schaftleraustausch lebt von der bisherigen asynchronen Semestertaktung, die Mobilität beflügelt und nicht behindert."

Eine Behinderung des internationalen Austausches für Studierende durch die bisherige Semestereinteilung habe nicht nachgewiesen werden können. Lösungsansätze für die mit der Umstellung verbundenen Folgeprobleme seien nicht erkennbar. Bei einer Neueinteilung der Semesterzeiten fehlten den Hochschulen hinreichende Zeiträume für Zulassungs- und Auswahlverfahren der Studienanfänger. "Die Abiturnote, die nach wie vor ein zentraler Indikator für die Prognose des Studienerfolgs ist, darf nicht entwertet
werden", so Kempen.

"Die Vorteile der bestehenden Regelung werden verschwiegen. Angebliche Vorteile der Neuregelung sind nicht belegbar", erklärte der DHV-Präsident abschließend. "Nicht einmal die Nachteile der bisherigen Regelung und damit ein Reformbedarf sind nachweisbar."


 




 

www.aktion-semesterzeiten.de

 

Verantwortlicher Initiator des Aufrufs:

Prof. Dr. Albrecht Koschorke

Albrecht.Koschorke[at]uni-konstanz.de

 

Fachbereich Literaturwissenschaft

Universität Konstanz

78457 Konstanz

 

Kontakt:

Nina Kück, M.A.

Nina.Kueck[at]uni-konstanz.de

 

Gestaltung:

Eddy Decembrino